Diese Beziehungen
beruhen weniger auf abstrakten Grundlagen als auf Partnerschaft
oder sogar Freundschaft der Menschen beider Seiten. Schon
im 16. Jahrhundert lebten Deutsche in Indonesien, erforschten
das Land und betrieben einen lebhaften Handel mit der Bevölkerung.
Heute arbeiten Deutsche für mehr als 150 große
und kleine Firmen oder als Entwicklungsfachleute, Wissenschaftler
und Lehrer in Indonesien und leben gern im Land. Anderersits
gibt es auch viele Indonesier, die sich auf die eine oder
anderer Weise Deutschland verbunden fühlen, besonders
die 2000 jungen Menschen, die zurzeit dort studieren.
Das Indonesisch-deutsche Verhältnis war von Anfang an
von Freundschaft, gegenseitiger Achtung und Verständnis
geprägt. Auf dieser Grundlage entwickelte sich dann über
Jahre, unabhängig von der jeweiligen Regierungsform,
eine enge Zusammenarbeit der beiden Länder und Völker.
Sie ist das Werk von Menschen, lebt durch sie weiter und betrifft
Politik, Sicherheit, Wirtschaft, Handel, Investitionen, Entwicklung,
Forschung und Kultur. Die deutsche Regierung unterstützte
wesentlich die Umsetzung der Reformen in Indonesien, z.B.
durch Hilfe bei der Umstrukturierung der Zentralbank, der
Stärkung kleiner und mittlerer Unternehmen und der Dezentralisierung.
Seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen im Jahr 1953
ist das Verhältnis gut und freundschaftlich. Indonesien
betrachtet Deutschland als wichtigen Partner, auch aufgrund
siner Verankerung in der EU. Dies zeigt sich in gegenseitigen
Besuchen auf Ebene der Staatsoberhäupter, Regierungschefs
und Ministerialbeamten sowie im Austausch von Parlamentariern.
Zu den ministeriellen Spitzenbeamten, die Berlin besuchten,
gehörte der heutige Präsident Indonesiens und damalige
Koordinator für politische und Sicherheitsfragen Susilo
Bambang Yudhoyono und Feisal Tamin, damals staatlicher Beauftragter
für die Verwaltungsreform. Der damalige Bundepräsident
Johannes Rau und Staatsminister Ludger Volmer statteten Indonesien
im Jahr 2001 Gegenbesuche ab.
Yudhoyonos Vorgängerin im Präsidentenamt, Megawati
Soekarnoputri und Gerhard Schröder trafen sich im September
2002 in Johannesburg. Auf Einladung der Präsidentin kam
der damalige Bundeskanzler im Mai 2003 in Begleitung einer
hochrangigen Delegation zum Staatsbesuch nach Indonesien und
würdigte damit die Bedeutung der Beziehungen. Ihre gute
Entwicklung wurde mit der Unterzeichnung eines Abkommens über
Förderung und den gegenseitigen Schutz von Investitionen
durch Wirtschaftsminister Wolfgang Clement und Außenminister
Hassan Wirajuda in Gegenwart der Präsidentin und des
Kanzlers unterstrichen. Die indonesische Regierung hofft nun
auf einen deutschen Investitionsschub im Land. Zur Förderung
des Dialogs und Verständnisses für die wechselseitigen
politischen Ziele gründete sich am 4.7.2003 ein Forum
der Freunde Indonesiens im Bundestag.
Die Bundesregierung tritt von jeher für die Stabilität,
territoriale Integrität und nationale Einheit Indonesiens
ein und begrüßte die Bemühungen der indonesischen
Regierung zur Lösung innerer Konflikte durch Dialog und
Verhandlungen. Sie würdigte in diesem Zusammenhang das
Abkommen zur Beendigung der Feindseligkeiten in Aceh, das
am 9.12.2002 in Genf unterzeichnet wurde und leistete einen
konstruktiven Beitrag zur Vorbereitungskonferenz für
Frieden und den Wiederaufbau in Aceh am 3.12.2002 in Tokio.
Beim Übergang zur Demokratie leistete die Bundesregierung
technische Hilfe bei der Dezentralisierung, Straffung der
Verwaltung und der Erarbeitung von Wahl- und Parteiengesetzen.
Die engen Beziehungen zeigten sich auch bei der Mitarbeit
in internationalen Organisationen wie der UNO, dem ASEAN-EU-Dialog
und der ASEM. Die Staatsoberhäupter beider Länder
sind Schirmherren eines Forschungsprojekts zum besseren Verständnis
zwischen der islamischen und westlichen Kultur.
Im militärischen und Sicherheitsbereich konzentrierte
sich die Zusammenarbeit jahrelang auf die Beschaffung von
Ausrüstungen und wurde später durch Ausbildung ergänzt.
Höhepunkt des Beschaffungsprogramms war der Kauf von
U-Booten und Kriegsschiffen der ehemaligen DDR durch die indonesische
Regierung. Das Zusammenwirken bei der Ausbildung begann im
Mai 1972 mi einem Jahresprogramm zur gegenseitigen Unterstützung.
In den letzten Jahren erlitt die militärische Zusammenarbeit
Rückschläge durch die von Deutschland vorgenommene
Verknüpfung mit dem EU-Verhaltenskodex für Rüstungsverkäufe,
der Förderung und dem Schutz von Menschenrechten und
durch die Krise in indonesien im Jahre 1998. Neuen Auftrieb
erhielt sie mit den Reformen und besonders der Umstrukturierung
der indonesischen Streitkräfte, wo eine konkrete Zusammenarbeit
noch aussteht.
Auf finanziellem und technischem Gebiet unterzeichneten beide
Regierungen am 12.Dezember 2002 ein Abkommen zur Vertiefung
des langjährigen Zusammenwirkens bei der Entwicklung
und Umgestaltung der Wirtschaft, des Gesundheits- und Verkehrswesens
sowie der Dezentralisierung. Die Bundesregierung bewilligte
isgesamt 28,5 Mio. Euro für Projekte zum finanziellen
und technichen Zusammenarbeit und weitere 1,5 Mio. Euro aus
Sondermitteln des Aktionsprogramms 2015 zur Bekämpfung
der Armut.
Am 2. Oktober 2002 unterzeichneten Regierungsvertreter beider
Länder eine Basisvereinbarung zum 2. Deutschen Schuldenumwandlungsprogramm
über 23 Mio. Euro. Am 3. Dezember wurde auch das erste
derartige Abkommen auf dem Gebiet des Bildungswesens unterzeichnet.
Nach Abschluss des Abkommen über Investitionsgarantien
von 1953 verstärkte sich die Zusammenarbeit auf diesem
Gebiet kontinuierlich und wurde erst durch die Wirtschafts-
und Währungskrise von 1997 unterbrochen. Zwischen 1967
und 2001 erreichten die deutschen Gesamtinvestitionen für
216 Vorhaben in Indonesien einen Wert von 9.204.355.00 US-Dollar.
Nach Erreichen eines Höchstands von insgesamt 959,5 Mio.US-Dollar
bei 28 Vorhaben fielen die deutschen Investitionen 2001 schlagartig
auf 42,6 Mio. für 32 Vorhaben in der Chemie, Pharmazeutik,
metallverarbeitenden und sonstigen Schwerindustrie sowie im
Handel, Fernmeldewesen, Dienstleistungssektor und bei Hotels
und Gaststätten. Vom vierten Platz unter den ASEAN-Mitgliedern
im Jahr 2000 sank Deutschland nach dem Investitionsvolumen
im Jahr 2001 auf den sechsten Platz ab. Zur Bekräftigung
positiver Tendenzen unterzeichneten der damalige Wirtschaftsminister
Wolfgang Clement und Außenminister Hasan Wirajuda beim
Bescuh Gerhard Schröder vom 13./14. Mai 2003 in anwesenheit
von Präsidentin Megawati ein Abkommen zur Förderung
und zum gegenseitigen Schutz von Investitionen.
Bis zur Tragödie von Bali im Oktober 2002 stieg die Zahl
deutscher Touristen kontinuierlich. Sie erreichte 2001 einen
Stand von 159.881 und bildete damit die zweitgrößte
Gruppe europäischer Besucher nach Großbitannien.
Bei durchschnittlichen Ausgaben von 80-100 US-Dollar pro Tag
und etwa 15 Übernachtungen sind Deutsche in Indonesien
sehr beliebt. Nach dem Anschlag vom 12. Oktober 2002 und der
Reisewarnung des Auswärtigen Amts sank die Zahl der deutschen
Touristen für das Jahr auf 79.919, zeigte aber infolge
der Wiederaufbauschritte und Fördermaßnahmen der
indonesischen Regierung und der Aufhebung der Reisewarnung
bald wieder einen ermutigenden Anstieg.
Der bilaterale Handel stieg bis zum Jahr 2002 kontinuierlich
auf ein Volumen von über 3,73 Mrd. US-Dollar. Die deutschen
Ausfuhren erreichten einen Wert von 1,43 Mrd. Dollar und steigen
damit gegenüber dem Vorjahr um 7,5%. Andererseits verzeichneten
die deutschen Einfuhren aus Indonesien mit 2,3 Mrd. Dollar
eine Abnahme um 5%. Die wichtigsten deutschen Exportgüter
waren Ausrüstungen, Werkzeugmaschinen, Fahrzeuge, Fernmelde-
und Elektroanlagen, Chemikalien, Stromaggregrate, Färbemittel,
Stahl und Arztneimittel, auf seiten Indonesiens Textilien,
Bekleidung, Möbel, Holzwaren, Palmöl, Kaffee, Tee,
Tabak, Kakao, Schuhe, Kautschukerzeugnisse, Zellulose, Papier,
Meeresprodukte sowie elektrische und elektronische Bauteile.
Indonesien reformiert ständig seine Handelspolitik zur
Öffnung der eigenen Märkte und Erschließung
von Exportmöglichkeiten bei Handelspartnern, besonders
für Produkte, die nicht aus dem Erdöl- und Gassektor
stammen und Erzeugnisse des verarbeitenden Gewerbes. Hierzu
wurde eine landesweite Arbeitsgruppe ins Leben gerufen.
Die Zusammenarbeit im Bildungswesen verstärkte sich 2002
durch Vernetzung und Vergleichstudien deutscher Bildungseinrichtungen
in den Bereichen
(1) Hoch- und Fachschulausbildung in Sportwissenschaft und
Landtechnik sowie Zusammenarbeit des DAAD mit indonesischen
Universitäten sowie
(2) Berufsausbildung und weitere Abstimmung der Austauschprogramme
zur Entsendung von Fachleuten nach Indonesien (in Zusammenarbeit
mit dem Generaldirektorat für Grund- und Mittelschulen
beim Ministerium für Volksbildung) sowie von indonesischen
Lehrkräften nach Deutschland (BIBB/INWENT).
Im Kulturbereich erweiterte sich die Zusammenarbeit 2002 durch
gemeinsame Programme mit deutschen Einrichtungen wie z.B.
die Patenschulvereinbarung zwischen der 10. staatlichen Fachoberschule
in Bandung und dem Lili-Braun-Gymnasium in Berlin, dem Gauß-Gymnasium
in Braunschweig und dem Ruperti-Gymnasium in Mühldorf
bei München. Im gleichen Jahr nahmen indonesische Studenten
auf Vorschlag von Bildungseinrichtungen in Jakarta an Lehrveranstaltungen
teil wie
(1) einem eintägigen Seminar zur Meeresforschung der
Vereinigung indonesischer Fachleute und Wissenschaftler in
Hamburg und
(2) einem ISSM-Seminar des indonesischen Diskussionsforums
in Berlin, des Instituts für Wissenschafts- und Technikstudien
und des Berliner International Business Council zur Stärkung
indonesischer KMU durch umweltorientierte Technologien.
Das Zusammenwirken in Bildung und Kultur wird auch durch Bundeseinrichtungen
(DAAD, DSE, INWENT usw.) sowie durch private Organisationen
und Einrichtungen unterstützt, die enge Kontakte mit
Indonesien unterhalten.
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